Quartier du Bourg | 1700 Fribourg | Suisse

Artikel in den Freiburger Nachrichten den 4. August 2017

Mit Humor zeigt das Duo Les Diptik, dass Clowns nicht nur etwas für Kinder sind

Carole Schneuwly

Seit fünf Jahren sind die Freiburgerin Céline Rey und der Amerikaner David Melendy als Clown-Duo Les Diptik unterwegs.

Am Festival «Bourg en Scène» zeigen sie ihre neue Kreation «Schlousse».

FREIBURG Wenn das Clown- Duo Les Diptik auftritt, dann gibt es, wie man das von zwei Clowns erwartet, viel zu la- chen. Es gibt aber auch einiges zum Staunen, zum Nachdenken und zum Philosophieren. Denn Céline Rey und David Melendy wollen dem Publikum zeigen, dass Clowns viel mehr sind als das Unterhaltungsprogramm am Kindergeburtstag. «Unsere Programme richten sich vor allem an Erwachsene», sagt Céline Rey, «obwohl natürlich auch Kinder willkom- men sind und auf ihre Kosten kommen.»

Ein Stück über die Clownerie

Dieses Wochenende sind Les Diptik im intimen Rahmen des Jardin Nussbaumer im Freiburger Burgquartier zu sehen: Für das Festival «Bourg en Scène» haben sie das Stück «Schlousse» kreiert. Es handelt sich um eine rund dreissigminütige Auseinandersetzung mit der Kunst der Clownerie, bewusst einfach, leicht und flexibel. «Auf dem kleinen Platz sind wir nahe beim Publikum, ganz anders als bei Au ührun- gen im Theater», sagt Céline Rey. «Wir arbeiten mit einfachem Material, improvisieren viel und setzen auf unsere Figuren und deren Charakter.»

Energiebündel und Philosoph

Diese Figuren entwickeln Céline Rey und David Melendy seit fünf Jahren gemeinsam. Die heute 31-jährige Freiburgerin und der 27-jährige Kalifornier haben sich während ihrer Ausbildung an der Accademia Teatro Dimitri im Tessin kennengelernt. Als Duo Les Diptik sind sie seither zusammen unterwegs und hauchen ihren beiden Clowns Leben ein.

« Ein Clown existiert aus sich selber. Er ist einfach, was er ist. »
Céline Rey
Clown-Duo Les Diptik

Célines Clown sei ein Energiebündel, redselig und ein bisschen naiv, sagt David Melendy über seine Bühnenpartnerin. David hingegen verkörpere den philosophischen mit absurden Ideen und einem Hang zur Melancholie, so Céline Rey. Wenn man als Clown auftrete, stecke viel von der eigenen Persönlichkeit in der Bühnen gur, sagt die gebürtige Stadtfreiburgerin. «Im Gegensatz zu den Figuren eines Theaterstücks hat der Clown keinen Kontext, sondern existiert aus sich selber. Er ist einfach, was er ist.»

Kreatives Spiel mit Sprachen

Nach zahlreichen kleineren Auftritten, die das Duo auch ins Ausland führten, sind Les Diptik jetzt seit eineinhalb Jahren mit ihrem ersten vollständig selbst erarbeiteten, abendfüllenden Programm «Hang Up» in der ganzen Schweiz unterwegs. Je nach Auftrittsort spielen Céline Rey und David Melendy das Stück auf Französisch oder auf Deutsch. Das Spiel mit den Sprachen liegt den beiden. «Wir sprechen auch untereinander alles durchein- ander», sagt David Melendy.

Wie der Titel schon andeu- tet, bietet auch die Freiburger Kreation «Schlousse» eine wil- de Sprachmischung. Da gibt es Französisch, Deutsch und Englisch, aber auch Fantasie- sprachen und Teile, die ganz ohne Worte auskommen. Für David Melendy liegt darin eine der grossen Stärken der Clown- Kunst: «Da ist alles möglich», sagt er. «Du kannst reden oder nicht, dich bewegen oder nicht, es geht einfach alles.» Diese Vielfalt sei es, die ihn an der Clownerie reize – und dass die Clowns damit bei allem Humor stets ein Spiegel der Gesellschaft seien. «Wir thema- tisieren über das Lachen auch Dramatisches oder Kritisches – aber am Ende geben wir Hoffnung und entlassen das Publi- kum mit einem positiven Gefühl.»

Programm

Musik und Theater im Burgquartier

Seit gestern steht das Freiburger Burgquartier im Zeichen des Kunstfestivals «Bourg en Scène», das noch bis Sonntag dauert. Weitere Höhepunkte nebst der Kreation von Les Diptik sind die Marionetten-Performance «Mnique/ Kmkz» der Gruppe Crash Club aus Brüssel (Freitag und Samstag) sowie Gratiskonzerte auf dem Rathausplatz: Heute spielen The Cats Never Sleep aus Genf, morgen Naked in English Class aus Zürich und am Sonntag das Stefan-Aeby-Trio aus Freiburg. Märchenstunden, eine Fotoausstellung und ein Brunch runden das Programm ab.

Freiburger Nachrichten | 4. August 2017